Pressemitteilung zum Stadtmuseum Lippstadt

KULTURRAT
LIPPSTADT


Pressemitteilung zum Stadtmuseum Lippstadt Lippstadt 11.12.2019
Der Kulturrat Lippstadt spricht sich für den Verbleib des Stadtmuseums im
Eigentum der Stadt aus.
Ein Antrag der CDU-Ratsfraktion fordert die Aufgabe des Stadtmuseums am Marktplatz
und eine Verlagerung in die Nähe des zukünftigen Depots an der Hospitalstraße. Über
diesen Antrag soll im Eiltempo und ohne Vorbehandlung in den zuständigen Ausschüssen
am kommenden Montag im Rat der Stadt Lippstadt entschieden werden.
Seit Oktober 1929, auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise, wird auf Initiative
Lippstädter Bürger das einzigartige Rokoko-Bürgerpalais als Museum genutzt. In
wirtschaftlich schwierigen Zeiten, Anfang der 50er Jahre wurde das Stadtmuseum saniert.
In den letzten gut 50 Jahren wurden leider nur noch minimale Erhaltungsaufwendungen
getätigt und jetzt, in einer Zeit nie dagewesenen Wohlstandes, sieht sich die Stadt
Lippstadt nicht mehr in der Lage, dieses historische und kulturelle Erbe zu bewahren.
Dabei hatte die Stadt bereits 800.000 € für die Sanierung des Hauses in den Haushalt
eingeplant und 2017 wurde mit sehr deutlicher Mehrheit der Fraktionen in Lippstadt
erklärt, dass das Palais am Marktplatz wesentlicher Bestandteil des Museums sei und
entsprechend zu bewahren und zu sanieren sei.
Das heutige Stadtmuseum am Marktplatz ist zentraler Baustein und selbst ein Exponat für
das sich entwickelnde Museumskonzept.
In der letzten Zeit wurden wichtige und richtige Schritte in eine zukunftsorientierte und
attraktive Museumsentwicklung gemacht. Mit Frau Dr. Schönebeck wurde eine
kompetente und sehr gut vernetzte Museumsleiterin gewonnen. Die Bestandserfassung
der Archivalien wurde abgeschlossen. Die Voraussetzungen für die Einrichtung eines
Depots an der Hospitalstraße wurden für eine professionelle Museumsarbeit geschaffen.
Der LWL bestätigt unserer Stadt, dass die Museumsentwicklung mustergültig
vorgenommen werde und nach der Einrichtung des Depots nur noch ein attraktives
Museumskonzept umgesetzt werden müsste. Der L WL hat seine Unterstützung dafür
bereits zugesichert und eine Förderung in Aussicht gestellt.
Die zurzeit angeführten wirtschaftlichen Totschlagargumente sind im Entscheidungsprozess
ganz und gar nicht hilfreich, da die Bedeutung der geschichtlichen und kulturellen
Bindung und die Frage von Prioritäten, politischem Wollen und kultureller Verantwortung,
einen viel höheren und nachhaltigeren Stellenwert haben.
Erhalten die Lippstädter Bürger auch weiterhin ihr zukunftsweisendes Stadtmuseum an
herausragender Stelle im Herzen des historischen Stadtkerns oder beginnt mit der
Veräußerung des jetzigen Stadtmuseumsgebäudes der Ausverkauf des identitätsstiftenden,
kulturellen Erbes in der Innenstadt von Lippstadt?
Es wäre grob fahrlässig, zum jetzigen Zeitpunkt und ohne Not das Rokokopalais als
Museumsbestandteil aufzugeben. Bevor Fakten geschaffen werden und Kulturgüter
unwiederbringlich abgegeben werden, sollte das bestehende, 2014 verabschiedete
Stadtmuseumskonzept öffentlich diskutiert und ggf. vom Rat modifiziert werden. Erst
danach mag sich die Frage stellen, auf welche Art und Weise vorhandene oder neu zu
errichtende Immobilien in ein zukünftiges Konzept eingebunden werden können.
Das Stadtmuseum macht viel mehr Sinn im Herzen der historischen Altstadt als am
Bahnrand der südlichen Innenstadt, im Schatten der städtischen Verwaltung.
Daher erwartet der Kulturrat Lippstadt:

  • eine sofortige Umsetzung des Depotstandortes in der Hospitalstraße
  • ein klares Bekenntnis des Rates der Bürger Lippstadts zum Erhalt ihres
    bestehenden Stadtmuseums am Marktplatz im Besitz der Stadt Lippstadt
  • den umgehenden Beginn der dringend erforderlichen lnstandhaltungsmaßnahmen
    für das Stadtmuseum
  • die Fortsetzung der Werkstattverfahren aus 2012 zur Neugestaltung der
    Markplatzfläche (vgl. Ergebnisse der dritten Werkstattveranstaltung zum
    ,,MarktRaum” vom 31.05.2012)
    Der Kulturrat Lippstadt fordert den Stadtrat auf, dem Antrag zur Veräußerung des
    historischen Stadtmuseums am Marktplatz nicht zuzustimmen und als ersten Schritt ein
    tragfähiges, der historischen Bedeutung Lippstadt angemessenes und attraktives
    Museumskonzept öffentlich zu diskutieren.

Für den Vorstand des Kulturrates Lippstadt e.V.
Arbeitskreis Hella-Hospitalstraße
Bernd Passgang